Ein Gebet wandert um den Erdball

„Kommt, alles ist bereit“ -  zum Weltgebetstag der Frauen

 

 

Vilsbiburg. Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich christliche Frauen seit 130 Jahren in der Bewegung des Weltgebetstages. Gemeinsam beten und handeln sie dafür, dass Frauen und Mädchen auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. In Vilsbiburg laden dieses Jahr die Mitglieder vom Katholischen Frauenbund zum Gottesdienst in die Pfarrkirche und zum anschließenden Gedankenaustausch ins Pfarrheim ein. Jedes Jahr beschäftigt sich der Weltgebetstag mit der Lebenssituation von Frauen eines anderen Landes. Christliche Frauen des Beispiellandes wählen Texte, Gebete und Lieder aus, diese Vorlagen werden in 88 Sprachen übersetzt und bilden die Grundlage für die weltweiten Gottesdiensten in 108 Ländern (Stand 2018). Vor Ort setzen Vereine und Gruppierung von Frauen unterschiedlicher christlicher Konfessionen die Vorschläge um und laden ihre Mitschwestern zu den jeweiligen Gottesdiensten und Veranstaltungen ein. Allein in Deutschland beteiligten sich in den letzten Jahren rund eine Million Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche am Weltgebetstag. Aber der Weltgebetstag ist nicht nur ein jährlicher Gottesdienst. Frei nach dem internationalen Motto „informiert beten, betend handeln“ soll er den Blick weiten, er soll neugierig machen auf Leben und Glauben in anderen Ländern und in anderen Kulturen. Beim Weltgebetstag reden Frauen nicht nur über Ökumene und Solidarität - sie leben sie. Die Verfasserinnen der jährlichen Gottesdienstordnung greifen mit ihren Texten und Liedern meist gesellschaftliche Fragen auf, die den Menschen im Beispielland wichtig sind. Sie setzten sich mit der Situation der dortigen Frauen und Mädchen auseinander und unterstützen auf diese Weise das Engagement lokaler Frauengruppen und Frauenorganisation. Der Weltgebetstag schärft immer wieder aufs Neue den Blick für die großen weltweiten Herausforderungen Armut, Gewalt gegen Frauen und Klimawandel. Neben zahlreichen Initiativen hat sich im Lauf der Jahre auch die Kooperation mit Weltläden und dem fairen Handel herausgebildet. In Vilsbiburg ist es üblich, dass Mitarbeiterinnen vom Weltladen im Rahmen der Weltgebetstags-Veranstaltung faire Produkte - möglichst auch aus dem Beispielland anbieten. Für Slowenien werden Bärlauchpesto, wahlweise pur, mit Kürbiskernen oder mit Hanfsamen und Kräutertee in den Sorten „Frauenpower“, „Entschleunigung“ und „Schmuddelwetter“ im Angebot sein. Daneben reihen sich die üblichen fairen Erzeugnissen wie zum Beispiel Kaffee und Schokolade, aber auch Kunsthandwerk aus Thailand, Indien und Marokko. All diese schönen Dinge sind natürlich in entsprechend größerer Auswahl ab sofort im „Eine-Welt-Laden“ in der Kirchstraße erhältlich. Wie bereits angesprochen, ist Slowenien das Beispielland für den diesjährigen Weltgebetstag. Das kleine Land, das den Balkan mit Europa verbindet, ist etwa so groß wie Hessen und hat gerade einmal gut zwei Millionen Einwohner. Von 1945 bis 1991 war Slowenien eine Teilrepublik des kommunistischen Jugoslawien. Nach dem Tode Titos begann der Zerfall Jugoslawiens und die Slowenen stimmt bei einem Referendum am 23. Dezember 1990 mit 95 Prozent der Wahlberechtigten für ihre Unabhängigkeit. Als fortschrittlichstes und stabilstes Land des ehemaligen Jugoslawiens gehört Slowenien seit 2004 zur EU und hat seit 2007 den Euro als Landeswährung. Die Slowenen erzählen gern folgende Legende: Als Gott den Völkern ihre Länder zuteilte, standen die Sloweninnen und Slowenen so bescheiden im Hintergrund das alles Land verteilt war und sie als letzte übrig waren. Was sollte Gott jetzt machen, es gab zwar noch einen kleinen Landstrich mit Alpen, Weinbergen grünen Wiesen, herrlichen Flüssen, Seen und mit einem wunderbaren Meeresstrand - aber dieses kleine Idyll hat Gott eigentlich für sich als Urlaubsparadies ausgesucht. Letztlich hatte der liebe Gott Mitleid mit den bescheidenen Slowenen und bot ihnen sein Urlaubsparadies an. Er schuf in seiner Güte sogar noch ein Souterrain dazu - ein ganzes System von Höhlen und Grotten genau unter Slowenien. Für den Weltgebetstags-Gottesdienst am 1. März um 19.00 Uhr in der Pfarrkirche haben die Slowenischen Frauen die Texte, Lieder und Gebete passend zum Motto „Kommt, alles ist bereit“ ausgewählt. Ganz im Sinne der berühmten slowenischen Gastfreundschaft servieren die Frauenbundfrauen beim anschließenden gemütlichen Teil im Pfarrheim Potica (slowenischen Nusskranz), Hochzeitsbrot, Kürbisaufstrich, Cevapcici und slowenischen Kartoffelsalat.

 

Evi Betz