Irrlichter, Druden und schwarze Wetterkerzen

Christian Tebel entführte Pfarrheimsenioren in mystische Vergangenheit

 

 

Vilsbiburg. Der  Aprilnachmittag der Pfarrheimsenioren stand ganz im Zeichen „Mystischer Überlieferungen“. Nach dem Kaffeetrinken entführte Christian Tebel seine nahezu ausschließlich weiblichen Zuhörerinnen zurück in längst vergangene Zeiten, als die Menschen noch zum Aberglauben neigten und die Phantasiewelt Geister, Hexen und Dämonen beinhaltete.

 

Vor über hundert Jahren, so erzählte Christian Tebel, waren die Menschen in unserem stark bäuerlich geprägten Niederbayern wesentlich naturverbundener und sie waren sehr Gottesfürchtig. In beengten Wohnverhältnisse lebten Mensch und Tier meistens gemeinsam unter einem Dach auf engstem Raum zusammen und für alle Ereignisse, egal ob es sich um Krankheit, Unglück, Kinderlosigkeit oder die glückliche Geburt eines gesunden Hoferben handelte wurde nach einer Erklärung gesucht. Die wurde dann entweder als Strafe oder als besondere Gunst Gottes ausgelegt. Damit es aber nicht zu den gefürchteten Strafen, besonders in Form von Naturkatastrophen wie Hagelunwetter, Überschwemmungen oder Trockenheit kam, wurde viel und oft gebetet. Ein Rosenkranz gehörte bei unseren Vorfahren in jede Jackentasche und das Sterbekreuz fehlte in keinem Nachtschränkchen. Besonders gern beteten die Mensch bei dringlichen Anliegen an sogenannten „Kraftorten“, das konnte eine kleine Kapelle, ein sehr alter Baum, eine Quelle oder ein besonders geformter Fels sein. Wallfahrtsorte wie Altötting, Birkenstein oder der Bogenberg erfreuten sich großer Beliebtheit und mitgebrachte Devotionalien aus Loretto, aus Rom oder gar aus dem fernen Lourdes wurden hoch geschätzt. Drohte beispielsweise ein Unwetter dann versammelte sich die ganze Familie zum Gebet und es wurden die mitgebrachten schwarzen „Wetterkerzen“ aus Altötting angezündet.

 

Überhaupt, so wußte Christian Tebel zu berichten, spielte bei unseren Altvorderen die familiäre Gemeinschaft noch eine große Rolle. Nach Feierabend hatten alle Zeit, die bäuerliche Familie scharte sich gemeinsam mit den Dienstboten um den Küchentisch und es wurden Geschichten erzählt. Da waren unerklärliche Naturphänomene, wie intensives Abendrot, besondere Wolkenformationen oder gar ein Nordlicht Gesprächsthema. Diese geheimnisvollen Dinge galten als Himmelszeichen, sie ängstigten die Menschen, da sie gern als Vorzeichen für Krieg und Unheil gesehen wurden. Harmlose Vögel wie Uhu, Waldkauz und Elster galten als Todesboten und wurden zum Teil grausam umgebracht. Irrlichter, so bezeichnet man Leuchterscheinungen die hin und wieder im Moor oder in dunklen Wäldern zu sehen sind, waren für unsere Vorfahren, ruhelose arme Seelen die Erlösung suchten.

Viel Weihwasser, Intensives Beten oder gruselige Mittel wie ein feststehendes Messer im Türstock oder unter dem Strohsack sollten den umherirrenden Seelen helfen, drohendes Unheil abwenden und alles Böse fern halten. Schutzengelbilder hingen früher über fast jedem Kinderbett und für alle Fälle fragte Mann oder Frau auch mal bei Wahrsagerinnen und Wahrsagern nach um entsprechend vorsorgen zu können.

 

Mit der ernüchternden Feststellung, dass unsere heutige Zeit auf der einen Seite keine derartigen Phantasien mehr zulässt, aber andererseits spirituelle Zirkel und Sekten einen großen Zulauf verzeichnen beendete Christian Tebel seinen spannenden Vortrag über „Mystische Überlieferungen aus Niederbayern“.

 

Evelyne Betz