„Aus der Heimat - in den Erfolg“

Peter Barteit stellt Leben und Werk von Eduard Schleich d.Ä. vor

 

 

Vilsbiburg. Beim Novembernachmittag der Pfarrheimsenioren stellte Peter Barteit einem großen Zuhörerkreis „den Vilsbiburger der berühmt wurde“ vor. Überaus interessiert folgten die Seniorinnen zusammen mit ihrem einzigen „Quotenmann“ den Erzählungen über den Werdegang des Landschaftsmalers Eduard Schleich d.Ä.. 

Anno 1812 kam der kleine Joseph Eduard Franz Xaver Kalist von Schleich als Sohn des Appellationsrates (vergleichbar mit einem heutigen Richter am Landgericht) Franz Xaver Joseph Maria Bonaventura von Schleich im Haarbacher Schloß zur Welt. Die Geburt des Sprößlings hatte einen Schönheitsfehler - im Kindbett lag nicht die Ehefrau sondern die Haushälterin Klara Käfer. Da der Baron ansonsten nur mit ehelichen Töchtern gesegnet war, wurde der kleine Eduard adoptiert. Aus der Kindheit des jungen Schleich ist nicht allzuviel bekannt, außer dass er mit 15 Jahren „wegen toller Streiche“ das katholische Seminar in Amberg verlassen musste. Seinem Selbstbewusstsein hat das nicht geschadet. Nach dem schulischen Aus, schrieb sich Schleich an der königlichen Akademie der Bildenden Künste für das Fach Historienmalerei ein und legte gleichzeitig seinen Adelstitel mit der Begründung „mich adelt die Kunst“ ab.

Der Direktor der Akademie, Peter Cornelius, war vom Können Schleichs nicht besonders überzeugt. Er empfahl seinem jungen Schüler lieber Schuster zu werden, als sich mit der, seiner Meinung nach unnützen Landschaftsmalerei zu beschäftigen. Cornelius der unter anderem in der Ludwigskirche mit dem „Jüngsten Gericht“ das zweitgrößte Altarfresko der Welt schuf tat die Landschaftsmalerei als „ eine Art Moos oder Flechtengewächs am großen Stamme der Kunst“ ab. 

Auch dieser zweite Hinauswurf beeindruckte Eduard Schleich nicht besonders. Er stand zu seinen Vorstellung von Malkunst und tat sich mit anderen „Gegnern“ der Akademie zusammen. Carl Rottmann, Christian Etzdorf, Christian Morgenstern und Carl Spitzweg hatten sich ebenso wie Schleich der wenig populären Landschaftsmalerei zugewendet. Aber nicht etwa die Liebe zur Natur trieb die jungen Maler an, sondern ein ganz profaner Grund: Sie brauchten Geld zum Leben. Das in der Mitte des 19. Jahrhunderts das wohlhabende Bürgertum dank eines umfangreichen Eisenbahnnetzes anfing, regelmäßig in die Sommerfrische zu verreisen, war ein Glücksfall für die Künstler. Damals wie heute wollten Urlauber gern eine Erinnerung an schönen Ferientage mit nach Hause nehmen - und weil Fotoapparate noch viel zu unhandlich waren, kamen gemalte kleinformatige Landschaftsbilder an die heimische Wohnzimmerwand. Eben die Erzeugnisse von Eduard Schleich und seinen Malerkollegen. 

Die Motivsuche von Schleich dehnte sich in den 1840er Jahren schnell über die Umgebung von München und Dachau bis in die Alpen aus. 1845 unternahm er gemeinsam mit Carl Spitzweg eine ausgedehnte Malreise nach Tirol und Italien und zwei Jahre später ging es nach Paris und Flandern. Besonders die Kunst Peter Paul Rubens prägte ab jetzt das Schaffen von Schleich. Ein Andenken an diese Schaffensphase, die „Mondscheinnacht vor der holländischen Küste“ ist im Vilsbiburger Heimatmuseum zu bewundern. 

Endziel der großen Europareise, bevor die Künstlergruppe wieder im heimatlichen München landete, war die Weltausstellung in London. Schleich, der als junger Mensch vorwiegend Gebirgslandschaften gemalt hatte, entwickelte nun seine Kunst weiter. Er malte sich aus den Bergen heraus in die Ebene und am Ende seines Lebens verzichtete er auf fast alle Bestandteile der Landschaft. Damit leitete er den Übergang zum Impressionismus ein und öffnete eine Tür zur Moderne. 

Einst von der Akademie abgewiesen, war Eduard Schleich in seinem letzten Lebensdrittel ein anerkannter Künstler. Er wurde vielfach ausgezeichnet, war

Mitglied der Kunstakademie Stockholm, der Akademie der bildenden Künste Wien - und Professor der Kunstakademie München. Als Schleich die Verleihung eines hohen österreichischen Ordens gebührend feiern wollte wurde ihm das zum Verhängnis. Seit Jahren litt ganz Mitteleuropa immer wieder unter der Cholera. Besonders schlimm war der Winter 1873/1874 in München. Professor Wichmann schreibt in einer Biografie über Carl Spitzweg: „Den ganzen Tag fuhren Totenwagen durch die Stadt, über der die Luft schwer und gelb wie Schwefel lag“. Carl Spitzweg konnte als Apotheker die Gefahr richtig einschätzen, er verließ die Stadt und ermahnte Schleich ein Gleiches zu tun - aber leider wollte Schleich seine neue Auszeichnung feiern.

Anfang Januar 1874 verstarb Eduard Schleich d.Ä., im Alter von nur 61 Jahren an der Cholera. Er fand am Alten Südlichen Friedhof in München seine letzte Ruhestätte, ebenso wie Jahre später sein Malerfreund Carl Spitzweg. 

Mit viel Applaus und einer kleinen Aufmerksamkeit wurde Peter Barteit von den Pfarrheimsenioren für seinen spannenden Vortrag über den großen Sohn Vilsbiburgs belohnt. Barteit versprach, bei passender Gelegenheit auch den anderen berühmten Vilsbiburger, Georg Krempelsetzer vorzustellen.

 

Evelyne Betz