Primiz Bernhard Häglsperger

Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen

 Primiz von Bernhard Häglsperger – Abt von Weltenburg definiert Rolle der Priester

Von Michael Betz

Es ist ein in der heutigen Zeit ausgesprochen seltenes geistliches Fest, das am Sonntag zahlreiche Gläubige in der Pfarrgemeinde miterlebten: Neupriester Bernhard Häglsperger feierte seine Primiz. Dieser erste Gottesdienst, dem der am 1. Juli in Freising geweihte Geistliche in seiner Heimatpfarrei vorstand, war von einer großen theologischen Tiefe und einer glanzvollen musikalischen Umrahmung geprägt. In der Festpredigt bezeichnete der Weltenburger Abt Thomas Freihart Priester als die „Mittler und Brückenbauer zwischen Gott und den Menschen“. An den Gottesdienst schloss sich noch ein weltlicher Teil der Feier in der Stadthalle an, bei dem die Angehörigen der Pfarrei sowie Freunde und Wegbegleiter mit Bernhard Häglsperger noch dessen Eintritt in die Gemeinschaft der Priester feiern konnten. Die vergangenen Tage und Wochen haben für Bernhard Häglsperger viele aufregende Momente bereit gehalten – mit der Priesterweihe durch Kardinal Reinhard Marx am 1. Juli im Freisinger Dom als Höhepunkt. Immerhin geht es bei dem Schritt, Priester zu werden, nicht um irgendeine Berufsentscheidung, die man problem- und folgenlos wieder revidieren kann. Es geht vielmehr um eine Berufung – und das im Regelfall auf Lebenszeit. Es ist ein Gegenentwurf zu den heute oft genug beliebigen und wenig von dauerhaften Werten geprägten Lebensentwürfen – und immerhin mussten rund 16 Jahre vergehen, seit der letzten Primiz in Vilsbiburg, die im Sommer 2001 Reinhard Röhrner gefeiert hatte, bis wieder ein solches kirchliches Fest gefeiert werden konnte. Auch Röhrner war am Sonntag unter den Geistlichen, die Bernhard Häglsperger bei seiner ersten Messe in der Pfarrkirche zur Seite standen, wo er einst als Ministrant die ersten Schritte zum Dienst in der Kirche getan hatte. Der langjährige Stadtpfarrer Siegfried Heilmer und sein Nachfolger Peter König konzelebrierten gemeinsam mit weiteren Geistlichen am Sonntag den Festgottesdienst.

Die Festpredigt an diesem für die Pfarrei wie für Bernhard Häglsperger gleichermaßen bedeutsamen Tag hielt Abt Thomas M. Freihart von der Benediktinerabtei Weltenburg – der übrigens dem Primizianten im Sommer 2001 in der Pfarrkirche die Firmung gespendet hat. Der Abt zitierte ein lateinisches Motto in der Kapelle der Benediktiner-Sternwarte in Kremsmünster, das lautet „in terris positus in caelestibus habitaret“ und übersetzte es frei dahingehend, dass die Mönche auf der Welt verwurzelt nach dem Himmel trachten. Auf dem zum Motto gehörenden Bild sei der heilige Benedikt als abgeklärter Mann zu sehen, wie er in einem einzigen Lichtstrahl die ganze Welt erkenne. Der Priester gehöre dementsprechend zwei Welten an – der Welt der Menschen und der Welt Gottes. „Er ist der Mittler zwischen diesen beiden Welten“, betonte Abt Thomas. Es sei die Aufgabe des Priesters, eine Brücke zu sein, um die Menschen zu Gott und seinem Licht zu führen. Gleichzeitig betonte der Abt, dass niemand aus sich selbst heraus Priester werden könne, es handle sich dabei immer um die Antwort auf einen Ruf Gottes: „Bei der Weihe nimmt er den Berufenen in seine Dienste.“ Das Priestertum bezeichnet der Festprediger als „Erwählung durch den Herrn“, es sei in diesem Sinne durch und durch Geschenk. „Als sichtbares Zeichen der Freude darüber feiern wir die Primiz“, ordnete er das Fest am Sonntag kirchlich ein.

An Seelsorger würden heute manchmal Ansprüche herangetragen, wusste Abt Thomas, die einen Pfarrer zu erdrücken drohten: „Man muss guter Pädagoge sein, immer präsent sein bei Feierlichkeiten und soll überdies auch noch von Verwaltungs- und Bauangelegenheiten etwas verstehen.“ Dabei dürfe der Priester nicht vergessen, sein inneres geistliches Leben zu pflegen, getreu einem Satz von Papst Benedikt: „Wir können anderen nur dienen, wenn wir selbst nicht leer werden.“ Abt Thomas fragte sich, ob man es bei all den an einen Pfarrer gerichteten Anforderungen heute überhaupt noch schätze, dass ein Priester jemand sei, der für die Menschen bete. Bernhard Häglsperger wünschte der Festprediger, dass die Menschen nicht nur heute, sondern immer wieder für ihn beten, damit er seinen Dienst am Menschen auf Gott hin stets ausüben kann.

Eine der großen Besonderheiten des Gottesdienstes, den Bernhard Häglsperger mit großer Ruhe und Ernsthaftigkeit zelebriert hatte, folgte an dessen Ende: Der Neupriester spendete den Gläubigen in der beinahe überfüllten Pfarrkirche den Primizsegen, dem in der katholischen Kirche ein besonderer Stellenwert zugemessen wird. Zuvor hatte sich der Primiziant bei zahlreichen Wegbegleitern bedankt, vor allem bei seiner Familie, besonders bei seiner Mutter. Aber auch dem langjährigen Stadtpfarrer Siegfried Heilmer galten Dankesworte: „Er war seit meiner frühesten Kindheit das Gesicht des Pfarrers.“ Auch Stadtpfarrer Peter König dankte Häglsperger für das vertrauensvolle Verhältnis. König selbst hatte in seiner Begrüßung der Gottesdienstbesucher zu Beginn erwähnt, dass die Primiz von Reinhard Röhrner am 8. Juli 2001 bis zum Sonntag die letzte gewesen sei und äußerte die Hoffnung, dass die nächste Primiz in der Stadt in weniger als 16 Jahren sein möge.

Pfarrer Bernhard Häglsperger würdigte auch besonders die „überwältigende Kirchenmusik“. Mit Werken, die großteils aus der Feder von Wolfram Menschick stammten, prägten die Kirchenchöre Vilsbiburg und Egglkofen, das Vokalensemble aus Moosburg, die Choralschola und ein Bläserensemble die Messfeier. Die Umsetzung der musikalischen Wünsche des Primizianten oblag den Kirchenmusikern Alexandra Lainer und Stefan Metz. Weltliche Musik, diesmal vom Musikverein Vilsbiburg, war vor und nach dem Gottesdienst zu hören: In zwei kleinen Festzügen war der Primiziant am Morgen von seinem Elternhaus in der Schützenstraße abgeholt worden, ebenso zogen Geistlichkeit, Ministranten, Vereinsabordnungen und alle weiteren Teilnehmer der Primizfeier nach dem rund zweistündigen Festgottesdienst gemeinsam zur Stadthalle. Nass wurden am Sonntag übrigens nur die Ministranten und die Geistlichen ein wenig: Sie erwischte zwischen dem Kirchenzug und dem feierlichen Einzug in die Pfarrkirche ein Regenschauer.

Gemeinsame Freude mit Neupriester

 In der Stadthalle fand der weltliche Teil der Primizfeier statt

 Von Michael Betz

 

Nach dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche und dem gemeinsamen Festzug zur Stadthalle konnten es sich die rund 450 Teilnehmer der Primiz am Sonntag etwas gemütlicher machen, der zweite Teil der Feier für Neupriester Bernhard Häglsperger hatte deutlich weltlichere Züge als die vorangegangenen Feierlichkeiten. 

Nachdem sich alle Gäste mit einem vom Primizianten spendierten Essen gestärkt hatten, standen Grußworte an. Landrat Peter Dreier hatte zwar die festliche Messe in der Pfarrkirche besuchen können, musste sich jedoch danach wegen der Ministerpräsidenten-Visite zur Landshuter Hochzeit verabschieden. Für ihn sprach stellvertretender Landrat Rudolf Lehner ein Grußwort. Er betonte zunächst, dass es nicht nur für die Stadt, sondern auch für den Landkreis ein besonderer Tag sei, an dem die Primiz gefeiert werde. Für Bernhard Häglsperger sei die erste Messe als Zelebrant in der Heimatpfarrei ein Aufbruch zu den Menschen, denen er künftig als Seelsorger und Priester dienen wolle. Es bestehe nach Lehners Worten hierzulande kein Mangel an Leuten, die eine Hinwendung zu den Schwachen propagieren oder Solidarität einfordern würden – auch wenn man oft Taten vermisse. Ein Priester sei diesbezüglich ein „Handwerker der Nächstenliebe“: Er gebe den Menschen, was sie in bestimmten Lebenssituationen am nötigsten brauchen – Halt und Trost, Festigkeit und Stärke, Gewissheit und Vertrauen. Bernhard Häglsperger habe sich für diesen Lebensweg entschieden und diese Herausforderung gewählt. „Dafür wünsche ich auch im Namen des Landkreises vor allem Zufriedenheit, Erfüllung und immer ein fröhliches, glaubendes Herz“, schloss Lehner. 

In Vertretung für Bürgermeister Haider sprach Zweiter Bürgermeister Johann Sarcher ein weiteres Grußwort. Er hob hervor, dass man mit Bernhard Häglsperger dessen Entscheidung feiere, sein Leben ganz in den Dienst Gottes gestellt zu haben. Dabei würdigte Sarcher das „freundliche und bescheidene Wesen des ganz von seiner Berufung erfüllten Bernhard Häglsperger“. „Dass der Priester ein Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, hat der Festgottesdienst schon bestens gezeigt“, lobte Sarcher die Messfeier am Vormittag. Häglsperger habe mit seinem Entschluss, Priester zu werden, auf übliche Karrieremuster verzichtet. „Das nötigt Respekt ab“, bekannte Sarcher. Gleichzeitig hob er nochmals die Freude hervor, einen waschechten Vilsbiburger auf diesem Weg begleiten zu dürfen. 

In mehreren kleinen Programmeinlagen wurde im Verlauf des Nachmittags Bernhard Häglsperger gratuliert und auch auf seinen persönlichen Werdegang hingewiesen. Seine Schwestern, Nichten und Neffen gingen dabei humorvoll auf die privaten Aspekte eines Pfarrers in der Familie ein, eine Gruppe von Freunden aus der gemeinsamen Ministrantenzeit hatte mehrere Wegbegleiter von Bernhard Häglsperger vor der Kamera erzählen lassen. Der ehemalige Stadtpfarrer Siegfried Heilmer erinnerte sich dabei daran, dass der kleine Bernhard schon im Religionsunterricht in der Grundschule durch seine Bibelkenntnisse aufgefallen ist. „Da hat er mich dann auch drauf hingewiesen, dass etwas von einer Geschichte fehlt, wenn ich im Unterricht die Sachen einfacher darstellen wollte.“ Dass Bernhard Häglsperger ein begabter Musiker ist, erfuhren die Gäste ebenso wie die Tatsache, dass er als Kind 1995 das Baumhaus seiner Spielkameraden eingeweiht hat – wovon eine alte Tonaufnahme vorgespielt wurde. 

Nachdem sich alle Gäste mit Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, fand der Festtag mit einer Vesper in der Pfarrkirche seinen würdigen Abschluss, dabei spendete Bernhard Häglsperger einer großen Zahl von Gläubigen den Einzel-Primizsegen. Dem Gottesdienst vorausgegangen war ein Glockenkonzert, das zeigte, dass Vilsbiburger Kirchenglocken mehr können als einfach nur läuten. – Bernhard Häglsperger wird übrigens auch als neugeweihter Geistlicher nicht aus der Welt sein, er wird bald in Neumarkt-Sankt Veit als Priester mitarbeiten.