Wie alt ist die Pfarrkirche

Peter Käser belegt Nachforschungen und widerspricht falschen Interpretationen

 

 

Trotz Volksfestbeginn und Fußballfieber hatten viele Interessierte den Weg ins Pfarrheim Sankt Josef gewählt, um sich anzuhören was Peter Käser über "600-Jahre Pfarrkirche" erzählen kann. Bei seinen intensiven Nachforschungen über die Geschichte der Pfarrei Vilsbiburg und die dazugehörige Kirche wurde Käser unter anderem im Staatsarchiv Landshut, im Bistums-Zentralarchiv Regensburg, im Pfarrarchiv und im Archiv des Heimatvereins Vilsbiburg fündig.

 

Gleich zu Beginn des Vortrags wies Peter Käser darauf hin, dass seine Erkenntnisse nicht auf Hypothesen beruhen, sondern durch Kopien von Orginalurkunden und beglaubigte Abschriften belegt sind. In diesem Zusammenhang kritisierte er die "Abschreibmentalität" mancher Autoren und die dadurch immer wieder neu verbreiteten falschen Interpretationen.

 

Käser beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und hat 2006 ein umfangreiches gleichnamiges Buch veröffentlicht. Auf knapp 400 Seiten fasste er seine damaligen Erkenntnisse zusammen. Die Jahreszahl 1414 auf dem Schlussstein im Chorbogen regte Peter Käser zu weiteren Nachforschungen an, denn "Heimatkunde hat nie ein festgeschriebenes Ende und Archive bergen immer wieder Überraschungen."

 

Laut Archivmaterial kann ein Dorf "Pipurch" um das Jahr 990/1000 als amtlich belegt angenommen werden. In alten Aufzeichnungen ist von einer Freisinger Bistumsgrenze zwischen den Häusern eines Priesters Werimund und eines Laien mit Namen Dietmar die Rede. "Ob nun der Hinweis auf das Haus eines Priester in einem Zusammenhang mit einer Kirche in Vilsbiburg steht, kann vielleicht angenommen werden, muss aber nicht sein."

Im 14. Jahrhundert tauchen dann in verschiedenen Verzeichnissen und Urkunden die Namen von Vilsbiburger Pfarrern auf. Es ist von kirchlichen Siegeln die Rede und dass "die Pfarrei Vilsbiburg (damals noch Piburch) eine Abgabe an den Bischof in Höhe von sieben Münzen tätigen muss" - aber ob mit "Kirche von Vilsbiburg" auch ein Bauwerk gemeint ist und wo dieses stand, lässt sich nicht belegen.

Als Fakten, so Peter Käser, kann man von folgendem Sachverhalt ausgehen:

Von der Übertragung der Patronatsrechte, der Kirche Vilsbiburg im Jahre 1372 an das Kloster Sankt Veit, bis zur Bestätigung durch Papst Innozenz VII. 1406, vergingen 34 Jahre. Diese Schenkung des Patronatsrechts spricht erstmals von "Sankt Mariä in Vilsbiburg". Ein Brief aus dem Zechschrein der Pfarrkirche informiert zusätzlich über "die Einweihung des Gottshauses sambt denen sieben Altären" am 29. Oktober 1413.

Mit der Jahreszahl 1414 auf dem Schlussstein eröffnen sich laut Peter Käser auch neue Perspektiven zum Baumeister der Kirche. Hans von Burghausen, Baumeister der Martinskirche von Landshut, stand für die Vilsbiburger Pfarrkirche nie zur Debatte, da für die Weihe der Kirche bisher das Jahr 1437 angenommen worden war, Hans von Burghausen war aber schon fünf Jahre zuvor gestorben. Ausgehend von der Jahreszahl auf dem Schlussstein wäre es aber möglich, dass der Baumeister der Landshuter Martinskirche und der Vilsbiburger Pfarrkirche ein und dieselbe Person sind.

Bei der 500-Jahr Feier hatte man sich irrtümlich am Datum einer Renovierung und einer damit verbundenen Weihe im August 1437 orientiert, so die Erkenntnisse von Peter Käser.

 

 

Sicher ist es für den normalen Pfarrangehörigen nicht von entscheidender Bedeutung, ob die Pfarrkirche 600 Jahre oder erst 577 Jahre alt ist. Das Interesse gilt da schon eher den Ereignissen der jüngeren Vergangenheit, zu denen noch ein gewisser Bezug hergestellt werden kann.

Staunend vernahmen die Gäste im Pfarrheim, dass Pfarrer Michael Mayer im Rahmen einer Kirchenverwaltungs-Sitzung Anfang 1907 feststellte "die Pfarrkirche ist zu klein." Der Münchner Architekt Joseph Elsner bekam den Auftrag, eine Erweiterung zu planen. Die Vilsbiburger Vorstellungen waren eher bescheiden - anders die von Architekt Elsner. Er versuchte einen "herrlichen neuen Dom im oberen Vilstal" zu errichten, mit einem Dach in Kreuzform einem zweiseitigen Treppenaufgang und einer Lourdesgrotte. Die gesamte Planung verschwand im Archiv.

Andere Vorhaben waren realistischer zum Umsetzen: Der Friedhof rund um die Kirche wurde aufgelöst, sechs der acht neugotischen Seitenaltäre wurden 1948 mit ausdrücklicher Zustimmung des Erzbischofs Buchberger entfernt und der Hochaltar verkleinert.

1955 musste auch der "Restaltar" weichen und unter den neuen bunten Glasfenstern mit den fünfzehn Rosenkranzgeheimnissen stand ab September 1956 der Tafelaltar von Bildhauer Guido Martini - aber nicht lange. Am 7. Oktober 1979 wurden der Volksaltar und der 14-Nothelfer-Hochaltar feierlich geweiht. Nachdem im Zuge der Außenrenovierung Anfang der 60er Jahre bereits an der ganzen Kirche der Verputz abgenommen worden war und die Turmkuppel mit Kupferblech neu eingedeckt war, konnten zeitgleich mit dem Dienstantritt von Pfarrer Josef Unsicker auch die notwendigen  Sanierungsarbeiten im Inneren beginnen. Viele Monate fanden die Sonn- und Feiertagsmessen in der Hauptschul-Aula statt, bis die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt wieder in neuem Glanz zur Verfügung stand.

 

Stadtpfarrer Siegfried Heilmer, der seit mittlerweile 26 Jahren in Vilsbiburg ist, konnte die Hände bezüglich der Pfarrkirche, nie in den Schoß legen. Immer wieder standen Renovierungs- und Erneuerungsmaßnahmen rund um Kirche, Friedhof und Pfarrhof an, bis hin zum großen Umbau im Außenbereich mit der breiten Treppenanlage und dem Arkadenplatz.

 

Peter Käser durfte für seinen umfangreichen und interessanten Vortrag über die Geschichte der Pfarrkirche zu Recht viel Beifall und Lob der Anwesenden entgegen nehmen.

 

Evelyne Betz